Kälteschock in Japans Wohnungen

Neulich telefonierte ich mit einem japanischen Freund im Internet. Seine erste Frage vor dem Computer lautet stets: »O-genki desu-ka?« (Wie geht es dir?) Da bleibt es nicht aus, dass wir uns, besonders in der kalten Jahreszeit, über Krankheiten unterhalten.
Im Laufe der Jahre, die wir uns kennen, fällt auf, dass er im Winter überdurchschnittlich oft erkältet ist. Dieses Mal wurde er von Hustenanfällen geschüttelt, doch was ihn stärker plagte, waren seine Schulterschmerzen.
Er meinte: »Viele Japaner haben das. Das ist normal.«
»Wieso? Deutsche Schultern sind auch verspannt. Das kommt vom häufigen Sitzen vorm Computer.«
»Ja, sicher. Aber im Winter ist die Ursache bei uns mehr die Kälte«, antwortete er.
»Die Kälte??« Und während ich das sagte, erinnerte ich mich, dass ich in den Wohnungen meiner japanischen Freunde nie eine Zentralheizung gesehen hatte, sondern nur transportable, kleine Ölöfen, sogenannte »Sutôbu«, oder elektrische Mini-Heizgeräte. Mir fiel eine Bemerkung ein, die ich öfter zu hören bekam: »Im Winter ist es in den japanischen Zimmern kühl.«
Hinzu kommt, dass sogar in den Metropolen, wie Tôkyô und Yokohama, die Häuser kaum eine Wärmeisolierung aufweisen. Gebäude mit Zentralheizungen findet man selten.
In der Wohnung meines Freundes herrschten zum Zeitpunkt unseres Skype-Gespräches etwa 15 Grad Celsius.
»Da müsst ihr euch ja wahnsinnig dick anziehen«, erwiderte ich.

»Ja ich sitze vor dem Computer mit einer Wärmflasche auf dem Schoß. bed-bottle-240252Und wenn wir ins Bett gehen, hat jeder eine darin liegen.« Er lacht. »Wenn mein Hund auf dem Schoß sitzt, wärmt das auch.«

In der Folge diskutierten wir über Wärmflaschen. Es stellte sich heraus, dass die der Japaner meist aus Metall (so eine kenne ich noch aus der Kindheit) oder Plastik bestehen.

»Manchmal sehe ich beim Ausatmen meine Nebel«, fügte er hinzu.

Ich bekam sofort Gänsehaut, obwohl es in meiner Wohnung kuschelig warm war. »Hm, da könnt ihr ja froh sein, dass ihr einen Kotatsu habt.«
Das ist ein niedriger Tisch, unter dessen Platte eine elektrische Heizung angebracht ist. Zwischen der Tischplatte und dem Rahmen klemmt der Japaner eine Decke, die bis zum Boden reicht. Setzt er sich, zieht er sie über Beine und Unterkörper.

Kotatsu

Kotatsu

Der Tisch steht im Tatamizimmer und die Familie versammelt sich darum. Hier wird gegessen, diskutiert, ferngesehen, u.a.
Ich hatte während meiner Besuche im Land der aufgehenden Sonne oft an solch einem Tisch gesessen. Glücklicherweise reiste ich im Frühjahr/Herbst, sodass die Wohnungstemperatur mit dicker Kleidung erträglich war. Doch in der kalten Jahreszeit stelle ich mir den Aufenthalt in den japanischen Wohnräumen, trotz Kotatsu und den kleinen Heizgeräten, weniger prickelnd vor, da der Rücken erbarmungslos der Kälte preisgegeben wird.
Immerhin dürfte die Tatami, eine Matte aus Reisstroh, wärmer als unser Parkett sein.
Um so mehr freut sich der Japaner auf ein heißes Bad. Jedes Haus besitzt ein O-furo, ein Badezimmer. Dort wird in extrem temperiertem Wasser gebadet. Da die Sitzwanne hoch ist, reicht es bis an den Hals. Nach dem Bad werden Holzplanken auf sie gelegt, damit die kostbare hohe Temperatur für die anderen Familienmitglieder erhalten bleibt. Sie benutzen dasselbe Wasser. (Man wäscht sich, bevor in die Wanne gestiegen wird.)
Auch wenn es in dem Hightechland keine Fernheizung gibt, besitzen Japaner etwas, worauf ich neidisch bin: nämlich elektrisch beheizbare Toilettensitze. Ich durfte selbst erleben, wie angenehm das ist.

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