Elvis, Sonny West und das Weiße Haus

Am 8. Januar jährt sich Elvis‘ Geburtstag zum 79igsten mal. Wer rechnen kann, kommt auf das Geburtsjahr 1935. Er wäre jetzt ein alter Mann. Das ist für einen echten Fan kaum vorstellbar, weil die meisten von ihnen seine jungen Jahre lieben. Damals liefen die Medien Sturm gegen ihn, nur weil er seine Hüften rotieren ließ und dabei die Beine verdrehte. Das war anstößig und entsprach nicht der Moral des damaligen amerikanischen Bürgertums. Doch die Zeiten änderten sich, und Elvis wurde vom Präsidenten Richard Nixon im Weißen Haus empfangen.
 
Ich erinnere mich noch genau an die Ausstellung 2007 in Berlin anlässlich seines 30. Todestages, die ich gleich zweimal aufgesucht habe. Dort sprach auch Sonny West, der viele Jahre als Elvis‘ persönlicher Bodyguard arbeitete, auf Graceland lebte und Mitglied der „Memphis Mafia“ war.
 
Der Raum war überfüllt, doch fand ich noch einen Platz. Sonny West erzählte mit Begeisterung und ohne jegliche Verbitterung über Elvis. Immerhin hatte ihn Elvis rausgeschmissen. Der Bodyguard erklärte, dies sei geschehen, weil er Elvis von den Drogen fernhalten wollte. Danach schrieb er das Buch: „Elvis: What happened?“ Darin prangerte er die Tabletten- und Alkoholsucht des Kings of Rock ’n roll an. Verständlicherweise kam das bei Elvis und seinen Fans nicht gut an.
 
Er erzählte, dass Elvis ihn auch als seinen Fahrer beschäftigt habe. Er hielt seine Autos in einem Topzustand.
Seine Hauptaufgabe bestand jedoch darin, zu verhindern, dass die Fans nicht zu dicht an Elvis herankamen. Sie wollten ihm natürlich nicht wehtun, doch sie hätten es mit Sicherheit getan. Die durchgedrehten Fans wollten ihn immer berühren, ein Haarbüschel von ihm haben, oder anderes.
 
Er berichtete auch, dass Elvis jede Menge Schusswaffen besaß und damit gern auf Fernsehgeräte schoss, wenn ihm irgendwelche Sänger einer Sendung nicht gefielen. Doch wenn der King auf Fernseher schoss, wäre dass immer ein Zeichen gewesen, dass es ihm gut ginge.
Er schilderte Elvis als warmherzigen Boss, der große Angst hatte, getötet zu werden, da er berühmt war.
 
Ein Satz ist mir natürlich noch in besonderer Erinnerung: „Wenn Elvis tatsächlich noch leben würde, sähe er mit Sicherheit noch verdammt gut aus.“
Das Publikum nickte zustimmend. West ging davon aus, dass Elvis seine Sucht besiegt hätte.
 
Am Ende seines Vortrages konnte das Publikum Fragen stellen. Ich hatte in der Ausstellung den Brief von Elvis an den Präsidenten der Vereinigten Staaten gelesen. Er bat darin, als Drogensheriff eingesetzt zu werden.
Ich nutzte die Chance und fragte Sonny West, was er über das Treffen mit Präsident Nixon berichten konnte. West hatte ihn ins Weiße Haus begleitet. Das Treffen mit dem Präsidenten fand im Dezember 1970 statt. Für Sonny West war es ein Höhepunkt. Nixon hätte allen die Hände geschüttelt und einen grauen Baumwollanzug getragen. Elvis trug seine schwarzen Lederstiefel, den Gürtel mit Goldbelag und eine übergroße Sonnenbrille, natürlich auch einen Anzug.
„Mir hat der Präsident noch auf die Schulter geklopft und zu Elvis gesagt: ‚Du hast ja kräftige Jungs hier‘“, informierte uns West, wobei seine Augen strahlten.
Elvis wurde mit der Dienstmarke des „Büros für Narkotika und gefährliche Drogen“ zum Bundesdrogenfahnder befördert.
Das Treffen wurde bis 1972 geheim gehalten und gilt als bizarrster Augenblick der Popgeschichte.
 
Die Veranstaltung war beendet, ich schaute mich noch in der Ausstellung um und ging anschließend Richtung Ausgang. Sonny West kam mir entgegen. Er erkannte mich und sagte anerkennend: „That was a good question.“
Es war, als hätte Elvis mit mir gesprochen.
 
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