Rothaarige leiden schmerzvoller

Vor etwa gefühlten 100 Jahren befand sich in meiner Parallelklasse ein Mädchen mit roten Haaren und vielen Sommersprossen, die ich ganz lustig fand. Ich verstand nicht, wieso sie wegen ihrer Haarfarbe von den Kindern gehänselt wurde.

Rothaarige sind eben schon immer etwas besonderes  –  im positiven als auch im negativen Sinne.  Jetzt habe ich auch noch erfahren, dass sie eine andere „Chemie des Schmerzes“ haben.

Neuere Forschungen zeigen, dass eine Variante des Gens mit der Neugierde erweckenden Bezeichnung MC1R nicht nur die Haare rot färbt und die Sommersprossen auf die helle Haut sprengelt, sondern interessanterweise auch das Schmerzempfinden verändert. Verblüffende Parallelen zwischen Klischee und Wissenschaft sind meiner Meinung nach nicht zu übersehen.

Rotes Haar steht für Feuer, Temperament und Leidenschaft. Komischerweise ist durch MC1R theoretisch erwiesen, dass Rotschöpfe scharfe Speisen viel besser vertragen als ihre Mitmenschen. Sie brauchen wahrscheinlich die Schärfe des Chilis, um ihrem feurigen Klischee zu entsprechen. Ebenso passt, dass diese Menschen dank der Genvariante empfindlicher für Kälte sind und schneller frieren.

Die Klischeevorstellung der Leidenschaftlichkeit lässt auf eine tiefere Empfindungspalette schließen. Auch dies bestätigen neuere Forschungen. Genannte  Genvariante  ist auch Schuld daran, dass Menschen mit roten Haaren über stärkere Zahnschmerzen klagen als Blondinen, Braun- oder Schwarzhaarige. Sie haben einfach ein anderes Schmerzempfinden. Der Gang zum Zahnarzt fällt ihnen besonders schwer. Hinzu kommt, und auch das beweisen Studien, das Betäubungsmittel angesichts der  roten Haare ihre Wirkung herunterschrauben. Doch welcher Zahnarzt weiß das so genau und zückt die voluminösere Spezialspritze für Rothaarige? Immerhin haben nur 2 % der deutschen Bevölkerung einen Rotschopf. Und so ist der Anteil der MC1R-Träger sehr gering, der bei einer Operation Schwierigkeiten mit der Narkose hat. Es ist eine schreckliche Vorstellung während der Operation aufzuwachen oder bei Bewusstsein zu sein. Der Anästhesist lässt sich sicher nur schwer überzeugen, wenn der wissende Rotschopf auf seine Haarpracht zeigt und klagt, dass bei ihm Narkosen schwer wirken. Offensichtlich müssen Rothaarige schmerzhaftere Wege gehen.

Für mich ist nicht nachvollziehbar, was die Natur dabei bezweckt. Sie ist doch sonst immer so logisch und sinnvoll. Vielleicht ist MC1R ganz einfach ihre Antwort auf unsere stereotype Vorstellung über Rothaarige?

Hier könnt ihr Weiteres von mir lesen:

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