Schmerz

“People are afraid of themselves, of their own reality; their feelings most of all. People talk about how great love is, but that’s bullshit. Love hurts. Feelings are disturbing. People are taught that pain is evil and dangerous. How can they deal with love if they’re afraid to feel? Pain is meant to wake us up. People try to hide their pain. But they’re wrong. Pain is something to carry, like a radio. You feel your strength in the experience of pain. It’s all in how you carry it. That’s what matters. Pain is a feeling. Your feelings are a part of you. Your own reality. If you feel ashamed of them, and hide them, you’re letting society destroy your reality. You should stand up for your right to feel your pain.”

Dieses interessante Statement von Jim Morrison („The Doors“) fand ich neulich im Internet.

Ist es wirklich so, dass man Schmerzen erleiden muss, um das Leben, die Liebe zu spüren? Frei nach dem Motto: „Das Leben ist Schmerz, ich liebe das Leben“. Sicherlich existieren immer zwei Pole, wie z.B. gut und böse, männlich und weiblich, Sympathie und Antipathie, usw. Diese Paare ziehen sich unweigerlich an und sind doch so gegensätzlich. Ist das Gleichgewicht gestört, geht es uns Menschen offensichtlich nicht gut.

Fehlt der Schmerz, kann dies gefährlich sein. Schmerz ist wahrhaftig eine notwendige Erfahrung. Als Beispiel soll unser Zeltnachbar herhalten. Urplötzlich hörte er auf, sich im kühlen Nass des Sees zu erfrischen. Das war auffällig und machte mich neugierig. Auf einem Dauercampingplatz geht es eben zu wie auf dem Dorf. Fast nichts bleibt geheim. Eines Tages erzählte er mir, dass er Diabetes hat. Sein Empfindungsvermögen an den Füßen war gestört. Natürlich hatte er Angst, sich die Füßen zu verletzen, ohne es zu bemerken. Bei Diabetikern kann dies schwere Folgen haben. Es war das erste Mal, dass ich wirklich verstand, dass Schmerz auch nützlich sein kann. Es war eine merkwürdige Erfahrung.

Ein anderes Beispiel: Ich betreute vor Jahren einen Azubi. Die junge Frau war immer gut drauf, ihre Augen lachten permanent, sie warf mit guter Laune nur so um sich. Doch machte sie sich offensichtlich Gedanken darüber, dass sie nie traurig sein konnte. Sie empfand wahrhaftig einen großen Mangel. An ihre Aussage kann ich mich noch gut erinnern: „Ich glaube, ich könnte nicht einmal mit meiner besten Freundin trauern, wenn ihr irgendetwas zustoßen würde. Ich weiß auch nicht, was das ist. Ich kann einfach nicht traurig sein.“ Doch auch bei diesen Worten schaute sie mich heiter an. Sie fragte sich, ob sie normal sei und machte sich darüber tiefe Gedanken. Leider trennten sich unsere Lebenswege und ich weiß nicht, wie es ihr weiterhin ergangen ist. Ich musste noch oft an dieses Gespräch denken.

Der Schmerz gehört zum Leben. Doch in unserer Kultur neigt man dazu, ihn zu verbannen und ist froh, wenn man ihn weder körperlich noch psychisch erlebt. Wer will schon Schmerzen haben?

Ich stand, wenngleich mehr zufällig, vor Jim Morrison’s Grab auf dem Pariser Friedhof Père Lachaise. Jetzt wird er keinen Schmerz mehr spüren. Leider ist er viel zu früh gestorben.

„Come on baby, light my fire“

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